Kebnekaise der höchste Gipfel Schwedens

Expeditionen

Nachdem ich die Tour vor einigen Tagen schon einmal angehen wollte, wurde es diesmal Realität.

3 Tage vorher stellte ich ärgerlicherweise fest, dass mir 4 Booties fehlten. Ich entschied mich 70 km nach Kiruna zu fahren um bei einem lieben Bekannten Gerald noch welche zu besorgen. Auf der Fahrt dort hin machte dummerweise mein Auto schlapp und aus der Idee nur mal eben Booties zu besorgen wurde dann ein 2 tägiger Aufenthalt in Kiruna bei Gjöran, meinem Schlittenbauer. Er beherbergte mich und nicht nur das, er stellte mir auch allerhand Werkzeug zur Verfügung um Wartungsarbeiten an meinem Trainingswagen vorzunehmen. Das war dringend nötig. Die Bremsen wurden erneuert und die Kralle (eine zusätzliche Bremse) wurde neu geschweißt.

Nachdem mein Auto dann glücklicherweise schon am nächsten Tag fertig wurde, bis auf einen Sensor war nichts kaputt, fuhr ich dann mit Booties im Gepäck wieder nach Nikkaluokta.

Der Ausgangspukt meiner Wanderung war eine groß angelegte Herberge mit Hütten, Zelten und Wohnmobilplätzen. Sie lag in einer der beliebtesten Gegenden Schwedens. Ich überlegte mir sehr genau wann ich auf den Trail starten wollte. Nachts ist einfach die beste Zeit für einen Dogtrekker wie mich, um in einer so überlaufenden Landschaft unterwegs zu sein.

Ich checkte noch einmal alles in meinem Rucksack und ging meine Packliste durch. Erste Hilfe Set, meine Kamera, Essen für die Hunde und mich, Booties, Überlebenssack, Handschuhe, Mütze, Thermojacke und Wind/Regenjacke, alles war an Bord. Pünktlich um 18.30 Uhr flogen die acht Pfoten und zwei Beine in Richtung Kebnekaise. Diesmal durften Freya und Yuka mich begleiten.

In meinem Kopf hatte ich den Plan, in ca.14 Stunden wieder am Auto zu sein. Soweit so gut. Aber jetzt ging es erst einmal einen schmalen geschotterten Weg entlang. Warum eigentlich geschottert? Vermutlich, um allen Wanderern das Gefühl zu geben hier in der Gegend trittsicher laufen zu können. Es ging am Bootsanleger vorbei. Hier konnte man sich weitere 5 km sparen um zu Kebnekaise Fjäll Station zu kommen. Dies Angebot gilt natürlich nur für diejenigen, die zu geizig sind mit dem Helikopter zu fliegen, denn für nur schlappe 100 Euro kann man sich die 19 km auch fliegen lassen.

Eine Strecke versteht sich. Das Angebot wird tatsächlich regelmäßig genutzt, denn der Heli fliegt mehrfach am Tag zwischen den beiden Plätzen. Wie Menschen auf diese Idee kommen ist mir ein Rätsel. Nein nicht nur das. Es ist mir tiefst zu wider, dass es Menschen gibt, die sich ein Hilfsmittel nehmen was nachweislich die Umwelt und der Natur schadet nur um nicht laufen zu müssen. Die Folgen unseres Handelns sehen wir derzeit in Deutschland, Griechenland und Russland, wo wir unsere Packung bekommen und Naturkatastrophen die Landstriche verwüsten. Jedes einzelne Schicksal erschüttert mich immer noch. Aber das ist die Antwort unserer Natur. Wenn ich das sehe bin ich der Überzeugung, die Rechnung die wir bekommen reicht noch nicht um zu verstehen was wir mit unserem Verhalten anrichten.

Auf dem Anstieg zum Kebnekaise

Der weiterführende Trail ist schön und nach dem Bootsanleger wirkt dieser auch wilder und nicht mehr so hergerichtet. Als es dann dämmerte kam ich auf eine Zeltausstellung, die Globetrotter hier oben veranstalteten um ihre Pracht an Auswahl und Equipment vorzustellen. Ach ne, das ist keine Zeltausstellung. Hier zelten wirklich Menschen und da tauchte auch schon die Fjäll Station vor mir auf. Bis dahin sah ich bestimmt 70 Zelte, die dicht an dicht gedrängt nebeneinander standen. Auch das verstehe ich nicht so wirklich. Man geht raus in die Natur um abzuschalten um dann dicht gedrängt Zelt an Zelt zu stehen und das Schnarchen des anderen live mithören zu dürfen? Meine Welt ist definitiv anders. Ich machte kurz Rast um eine Banane zu mapfen und dabei erzählte mir jemand, dass man etwa 15 h hoch und wieder runter braucht. Zunächst einmal erschrak ich mich. Aber dann kamen mir folgende Gedanken in den Kopf. Dogtrekking ja ist anders. Man ist wesentlich schneller unterwegs als der Durchschnitt. Auch eine nette Dame in Nikkaluokta von nannte mir als groben Zeitwert 6 Stunden für den Aufstieg und 2-3 Stunden für den Abstieg. Nachdem ich die letzten Zelte hinter mir gelassen hatte, traf ich keine Wanderer mehr. Ich kam immer mehr im Rausche der Natur an. Der Fluss der laut plätscherte, dass Hecheln meiner Hunde und die Geräusche der Steine unter meinen Füßen machten das Feeling komplett. Der Anstieg wurde steiniger aber auch steiler. Nach einer Brücke tauchte dann der erste Schnee auf. Treppen aus großen Steinblöcken markierten den Weg. Umso steiler umso rutschiger wurde es, denn der Schnee hatte sich unter den hunderten Füßen anderer Wanderer zu Eis verwandelt und ich sah mich schon auf dem Rückweg hier hinunter tanzen. Berge hinunter zu laufen ist wie tanzen, man muss genau auf seinen Partner/seine Partnerin (hier ist der Untergrund gemeint) achten und mit ihm/ihr eine Harmonie finden, damit es ein Fluss wird und wohl klingt.

Yuka und Freya an meinem Bauchgurt befestigt

Nach einem ordentlichen Anstieg ging der Pfad dann auf festen Pappschnee wieder 200 hm hinunter um sich dann direkt auf der anderen Seite wieder hinauf zu schlängeln. Es wurde kälter und kälter und neben der Thermojacke hatte ich bereits die Windjacke, meine Mütze und die Handschuhe an. Freya und Yuka zogen immer noch so wie in der erster Minute. In meinem Kopf wollte ich den Gipfel endlich erreichen um nicht noch weiter bergauf laufen zu müssen. Das Licht meiner Stirnlampe verriet mir anhand der Reflektoren weit oben am Berg allerdings, dass ich noch einige Höhenmeter vor mir hatte. Als dann vor mir im Dunkeln eine Hütte auftauchte war mir klar, dass ich direkt unterhalb des Gipfels war. An dieser angekommen sah man den flachen Hutzipfel, wie er über Schweden ragte. Schnell machte ich noch einen Eintrag ins Gästebuch und dann ging es auf zu Spitze. Oben stand ich dann dort, machte 2-3 Fotos und sah mich kurz um. Der Blick war so was von sagenhaft schön, dass ich für einen kurzen Moment die Temperatur von -7 Grad real und mit dem Windchill von – 16 Grad vergaß. Das leicht rötliche Aufgehen der Sonne bahnte sich an. Auf der andern Seite der Mond, der den Schnee hell erleuchtete.

Am Gipfel des Kebnekaise

Da war es wieder, das Beißen in den Fingern, was mich aus meinen Träumen raus holte. Ich musste sie bewegen um sie wieder zu spüren. Freya schaute erhaben in die Landschaft und ließ sich von den Temperaturen hier auf dem Top nicht weiter zu stören, während Yuka bereits eingerollt versuchte zu schlafen. Ich packte meine Kamera wieder in meinen Rucksack und trat den Rückweg an. Dieser gestaltete sich äußerst schwierig, denn dass Eis war sehr rutschig und da wo keins war rutschte ich auf Steinen bergab. Meine Tanzpartnerin machte es mir wirklich nicht leicht und dreimal glitt ich sogar weg und landete auf meinen Hintern.

Als Schnee und Eis verschwanden, kamen wir drei wieder zügiger voran. So langsam setze bei mir die Müdigkeit ein und mein Geist sehnte sich nach Schlaf.

Um 5 Uhr morgens erreichten wir dann die Kebnekaise Fjäll Station, wo die ersten Frühaufsteher schon unterwegs waren. Von da an schlängelte sich der Weg ohne Höhenmeter bis nach Nikkaluokta. die letzten Kilometer waren ziemlich zermürbend, denn die Schilder verrieten jeden einzelnen Kilometer den ich noch vor mir hatte. Meine Muskeln sehnten sich nach Erholung. Am Auto wieder zurück gönnte ich meinen beiden Mitstreiterinnen Freya und Yuka noch eine kleine Massage bevor wir in unseren wohl verdienten Schlaf fielen.

Die Bilanz: 57 km, 2000 hm in 14 h 46 min.

Freya und Yuka mit mir am Ziel völlig erschöpft und müde.