Freitag gegen 11.30 Uhr fuhr Caro vor, um mich einzusammeln. Manches davon, was wir uns zu erzählen hatten, hätte wohl jeden verschreckt. Ein Spiel zwischen absuoluter Ernsthaftigkeit und purer Ironie gab dem Ganzen seinen besonderen Reiz. In Nürnberg gabelten wir dann noch Alexandra mit ihrem Hound auf. Die teils erfahrene Sportlerin kannte sich am Dachstein gut aus und wollte sich an der Tour versuchen.

Die Ausrüstung, die ich auf Dachstein Dogtrekking mitgenommen habe. Taiga fehlt noch auf dem Foto
Die Fahrt verging wie im Flug und das große Glück nicht fahren zu müssen, gefiel mir an der ganzen Sache am besten. Real kamen wir dann doch erst gegen 18.30 Uhr an. Meine Wanderpartnerin Rebecca wartete bereits seit drei Stunden auf mich. Alle machten wir uns fertig aufzubrechen. Aus dem letzten Check von Markus der Pflichtausrüstung, wurde ein interessanter Austausch über die Sinnhaftigkeit von Booties im Gebirge. Caro und Alexandra schossen in einer unglaublichen Geschwindigkeit voraus. Rebecca hatte mit einer Verletzung im unteren Bereich des Oberschenkels zu kämpfen und es war bis kurz vorher nicht klar, ob sie überhaupt hätte teilnehmen können. Vom Parkplatz zum Wiesberghaus ging es über 1000 Meter bergauf. Als die Schmerzmittel bei Rebecca wirkten, saß mir ihr vierbeiniger Begleiter Momo im Nacken und ich wurde ihn bis zum Ziel das Wiesberghaus nicht mehr los. Hungrig bezogen wir unser Mehrbettzimmer. Als wir die Wirtsstube betraten und mit leckeren Knődeln versorgt wurden, fühlten wir uns rundum pudelwohl. Die Stimmung war ausgelassen und alle freuten sich auf die bevorstehenden Tage. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker bereits um 6 Uhr und nach der Streckenbesprechung und einem anständigem Frühstück gingen wir auf die lange Strecke.

Vom Wiesberghaus schlängelte der Bärenpfad durch die Latschenkifern zur Gjaidalm. Dort űberholten wir dann die vier anderen Dogtrekker, die etwas vor uns gestartet waren. Einen Skihang hoch zum Krippstein, ließ schon mal leise ahnen, was auf uns zukommen sollte. Die Schmerzen in Rebeccas Bein hielten sich noch in Grenzen und so kamen wir recht zűgig weiter űber das Heilbronner Kreuz in Richtung „bei der Hand”. Auf dem Weg dorthin liefen wir frohen Mutes und verpassten eine Abzweigung, so hängten wir ein paar Zusatzkilometer dran. Rebecca brachte uns wieder auf den richtigen Weg. Zwei der vier Dogtrekker, Sarah und Sarah schlossen auf, als wir eine Brotzeit einlegten. Nach unserer kurzen Pause zogen wir in einem Stück zur „bei der Hand” wo wir dann auch die beiden anderen Dogtrekker Caro und Sita einholten. Gut die Hälfte der Strecke lag nun hinter uns und wir fűhlten uns noch beide fit. Das angeschlagene Bein (vermutlich eine Muskel oder Sehnenverletzung) hielt sich bislang wacker und die eigentlich viel schnellere Rebecca lief so auf meinem Level. Das Wetter klarte auf und endlich zeigte sich die vorher versprochene Sonne.
Der Trail űber die Hochebene fűhrte uns zurűck bis kurz vor die Gjaidalm zum Oberfeld. Eine letzte längere Pause mit einer Mahlzeit schenkte mir noch einmal richtig Kraft vor dem bevorstehendem Anstieg. Zur Simonyhűtte. Der erste Teil des Aufstiegs gestaltete sich noch recht einfach und eine tolle Aussicht auf die einmalige Bergwelt Östereichs. Rebecca kämpfte mit starken Schmerzen und ich half ihr mit einer Iboprofen aus. Der Trail wurde anspruchsvoller und mit teilweise leichen Kraxel-Stellen wurden die Situation für meine Begleitung zum „worst case”. Für mich war es kein Problem zu warten. Die kurzen Pausen halfen mir zu verschnaufen, immer wieder bewunderte ich ihren Durchhaltewillen und ihre mentale Stärke. Mein Magen streigte mit jedem Meter den ich an Höhe gewann mehr und mehr, mir wurde schlecht. Dennoch kamen wir der Simonyhűtte immer näher, was uns beiden noch einmal Aufschub gab. Am letzten Checkpoint waren wir uns schnell einig, keine weitere Pause einzulegen und schnell die letzten Kilometer zu Ende zu bringen. Die einmalige Lage der Simoneyhütte am Rand einer Klippe gab ihr einen besonderen Spirit. Von dort aus ging es nur noch den Berg herunter und wir verloren ca. 500 Meter auf dem letzten Stűck. Zusammen erreichten wir um 18.42 Uhr das Wiesberghaus.

Die Zielvorgabe 18.30 Uhr verpassten wir um 12 Minuten, denn da sollten wir für das Abendessen dort sein. Sowohl Rebecca’s als auf mein Bauch ließen vorerst kein Essen hinein und wir mussten erstmal zur Ruhe kommen. Ein neuer Morgen, ein neuer Tag. Viel schlafen konnte ich nicht, es war mir einfach viel zu warm. Kurz vor 7 Uhr ging es ein zweites Mal über den Bärenpfad und der Gjaidalm die Skipiste hoch. Danach links am Däumelkog vorbei talabwärts. Der „worst case” trat wieder ein und der Trail war für eine Verletzung ungünstig. Die Steilen Stücke und Kraxelpassagen sind der Horror für eine solche Verletzung.
An der Stelle möchte ich einmal das Thema „zusammen laufen und aufeinander warten oder bei zu großen Unterschieden, sich besser zu trennen” aufgreifen. Die Meinungen gehen dabei sehr weit auseinader und es gibt dabei, so wie immer, kein Richtig und kein Falsch. Wichtig ist, dass man VORHER miteinander darüber spricht und sich klar einigt, ob es einem vorranig um den Trail geht und das Zusammenlaufen nur eine Zweckgemeinschaft darstellt oder man zusammen laufen möchte und sich nicht trennt, auch wenn Einer wesentlich schneller ist als der Andere. (Mal ganz abgesehen von den Regeln der Veranstaltung).
Für mich stand jedenfalls fest, zu warten, auch wenn es dadurch länger dauerte. Wir hatten von Anfang an beschlossen, zusammen zu laufen und daran wollte niemand etwas drehen. Die Möglichkeit mit der Seilbahn, runter zu fahren kam für Rebecca jedenfalls nicht infrage, trotz immenser Schmerzen. In der Zwischenzeit stiegen die Temperaturen und die Hunde hatten mit der Hitze sichtlich zu kämpfen. Im Tal in Obertraun ging es dann über einen Radweg nach Hallstatt zurück zum Start.
Das Dachstein Dogtrekking war wieder einmal eine tolle Erfahrung von der ich viel und lange zehren werde. Der Aufstieg zur Simony Hütte lehrt einem wieder einmal das es anstrengend und kräfteraubend ist, bevor man die Aussicht genießen kann. Was wäre die Aussicht wert ohne Anstrengung im Vorfeld. In dem Sinne bis zum nächsten Mal und denkt immer daran – der Weg ist das Ziel und der Gipfel nur ein Wendepunkt.




